MICHAELA ŠPAČKOVÁ

Fagott-Solistin

Creating dreamlike sound worlds

“… die Solistin beeindruckte mit einem reichen Klang, ließ das Fagott singen und sorgte dabei für echte Gänsehautmomente.” Bad Homburger Woche

Michaela Špačková mit Fagott

Die tschechische Fagott-Solistin Michaela Špačková begeistert ihr Publikum mit ihrem ausdrucksstarken Klang und ihrer charismatischen Bühnenpräsenz. Zu ihren solistischen Höhepunkten zählen John Williams’ The Five Sacred Trees with the Konzerthausorchester Berlin, Auftritte mit der Tschechischen Philharmonie und dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien sowie ihr Solodebüt in der Suntory Hall in Tokio an der Seite von Radek Baborák.

Die enge Zusammenarbeit mit Komponistinnen und Komponisten steht im Zentrum ihres Schaffens und verleiht dem Fagott eine neue Stimme. In Aix-en-Provence brachte sie Matthieu Stefanelli’s Gaïa ou le Cri de la Terre (The Cry of the Earth), zur Uraufführung, das von Renaud Capuçon in Auftrag gegebene Werk wurde von ARTE und Radio France übertragen.

Sie wurde mit über 20 internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter beim ARD-Wettbewerb und beim Prager Frühling. Michaela ist Fagott-Dozentin an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und gibt international Meisterkurse. Ihr Debütalbum Dreamscapes mit dem Pianisten Viller Valbonesi erscheint im Oktober 2026 bei Soleil et Pluie.

“Mit Michaela Špačková gewinnt das Fagott eine völlig neue Dimension. Bisher kannte ich es kaum als Soloinstrument; durch sie erlebe ich es als eine wunderbar warme, energiegeladene Stimme. Michaela ist eine herausragende Musikerin mit einer klaren Mission: das Fagott aus dem Schatten zu holen.”

Sonia Simmenauer
Kuratorium, Concerto21 Stiftung

BIOGRAPHY

Die tschechische Fagott-Solistin Michaela Špačková begeistert ihr Publikum mit ihrem ausdrucksstarken Klang und ihrer charismatischen Bühnenpräsenz. Zu ihren solistischen Höhepunkten zählen John Williams’ The Five Sacred Trees with the Konzerthausorchester Berlin, Auftritte mit der Tschechischen Philharmonie, dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien, dem Münchener Kammerorchester und dem Tallinner Kammerorchester sowie ihr Solodebüt in der Suntory Hall in Tokio an der Seite von Radek Baborák. Ihr Debütalbum Dreamscapes, aufgenommen mit dem Pianisten Viller Valbonesi, erscheint im Oktober 2026 bei Soleil et Pluie. Sie wurde mit über 20 internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter beim ARD-Wettbewerb und beim Prager Frühling.

Die enge Zusammenarbeit mit Komponistinnen und Komponisten prägt Michaelas künstlerisches Schaffen. In Aix-en-Provence brachte sie Matthieu Stefanelli’s Gaïa ou le Cri de la Terre, zur Uraufführung. Das von Renaud Capuçon in Auftrag gegebene Werk wurde von ARTE und Radio France übertragen. Sie arbeitet regelmäßig mit der tschechischen Komponistin Nikol Bóková zusammen, deren Werk Nightfall Wanders for bassoon and string quartet sie 2025 in Berlin uraufführte. Gemeinsam mit Komponistinnen wie Alisson Kruusmaa und Cassie Kinoshi entwickelt sie weiteres neues Repertoire.

Die Kammermusik nimmt einen zentralen Platz in Michaelas musikalischem Leben ein. Ihre besondere Vorliebe gilt dabei Programmen, die das Fagott mit Streichinstrumenten verbinden. Sie gastierte bei Festivals wie dem Heidelberger Frühling, dem Suntory Hall Chamber Music Garden, Nouveaux Horizons in Aix-en-Provence und dem Demenga Festival. Zu ihren Kammermusikpartnerinnen und -partnern zählen Radek Baborák, Josef Špaček, Stefan Dohr, Pablo Barragán, Ben Goldscheider und Zofia Neugebauer. Ihre Auftritte führten sie unter anderem in die Suntory Hall in Tokio, das Konzerthaus Berlin, die Berliner Philharmonie, die Elbphilharmonie Hamburg, die Philharmonie de Paris und die Carnegie Hall in New York.

In früheren Jahren ihrer Laufbahn war das Orchesterspiel ein wichtiger Bestandteil von Michaelas musikalischer Entwicklung. Sie war als Solofagottistin im Konzerthausorchester Berlin unter Christoph Eschenbach tätig und Mitglied der Orchesterakademie der Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim. Als Gastsolofagottistin spielte sie unter anderem bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, dem hr-Sinfonieorchester Frankfurt, dem Ensemble Resonanz, dem Estonian Festival Orchestra und den Festival Strings Lucerne. Dabei arbeitete sie mit Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Paavo Järvi, Zubin Mehta, Jakub Hrůša, Semyon Bychkov und Iván Fischer zusammen.

Mit ihrem natürlichen Gespür für Kommunikation führt Michaela regelmäßig selbst durch ihre Konzerte und legt großen Wert auf den direkten Austausch mit dem Publikum. Sie ist Fagott-Dozentin an der Hochschule für Musik und Tanz Köln, leitet am Standort Aachen eine eigene Fagottklasse und gibt international Meisterkurse in Europa und Asien.

Michaela studierte an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin bei Volker Tessmann, wo sie ihren Bachelor, ihren Master und das Konzertexamen abschloss, sowie am Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Paris bei Laurent Lefèvre.

 

PORTRÄT

Die geborene Fagottistin: Michaela Špačková

Ein Porträt von Tom R. Schulz

Michaela Špačková mit Fagott

Es gibt Kinder, für die singen die Engel der Musik schon an der Wiege. Bei den meisten anderen sind Begabung und Neigung für die Musik eine Option, die sich ziehen lässt oder auch nicht, je nach den Lebensumständen. Und dann gibt es manchmal Kinder, zu denen beißt die Musik sich durch wie eine zähe Blume durch Beton, gegen Widerstände und ohne Rücksicht auch auf mögliche Empfindlichkeiten. So war es bei der Fagottistin Michaela Špačková (sprich: Schpatzkowa).

»Ich war schockiert, wie heftig mich die Musik mit elf, zwölf Jahren erwischt hat«, erinnert sie sich. Das war bei einem Konzert im Rudolfinum, dem klassischen Konzertsaal in ihrer Geburtsstadt Prag. Die Großmutter hatte gerade angefangen, ihr Enkelkind manchmal zum Musikhören dorthin mitzunehmen. Schon von klein auf hatte Michaela Geige spielen wollen, auch Klavier, aber von Haus aus sollte es nur die Blockflöte im Schulunterricht sein. Niemand aus der Familie machte Musik. Eine Lehrerin aber hörte in Michaela, die ihre Tage am liebsten malend verbrachte, das musikalische Talent. Sie wirkte darauf hin, dass das Mädchen nach der Grundschulzeit an ein Musikgymnasium kam.

Dort standen für sie drei Instrumente zur Auswahl: Oboe, Horn und Fagott. »Das Fagott sah cool aus, der Lehrer war auch cool, ich hatte ihn im Rudolfinum spielen sehen«, sagt Michaela Špačková. Also entschied sie sich für das Fagott. Weshalb sie auch nach den Unterrichtsstunden noch Zeit mit dem hübschen Fagott verbringen sollte, verstand Michaela nicht. »Ich habe nie geübt, und nach einem halben Jahr drohte der Lehrer, mich rauszuschmeißen«, erzählt sie. »Da habe ich dann halt angefangen zu üben, und es hat sofort super Spaß gemacht.«

Von hier aus könnte die Geschichte glatt und geschmeidig weitergehen. Kind und Instrument haben sich gefunden, die Eltern freuen sich, das Talent reift, der Ehrgeiz blüht. Erste Wettbewerbe, Schul- und Jugendorchester, zwischendurch gern eine kleine Krise, die das Mädchen aber heil übersteht. Nach der Schule Musikstudium, anschließend Orchester bis zur Pensionierung.

Auch Michaela wusste schon mit 15, dass nichts sie mehr berührte und sie nichts Dringenderes zu tun haben wollte, als auf diesem geheimnisvollen, kastanienbraun glänzenden Holzrohr mit den drei breiten Metallringen, den vielen Klappen und dem wie ein Schwanenhals geformten S-Bogen zum Hineinblasen Musik zu machen. Aber glatt und eben ging es nicht auf ihrem Weg. »Das Fagott war für mich ein sicherer Ort, ein Rückzugsraum, in dem ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen konnte«, sagt Michaela. »Auch ein Ort für Heilung.« Ihr Musikgymnasium war eine gute Schule, das Zuhause kein allzu gastlicher Ort. Dass das Kind sich ins Fagott vernarrt hatte und nun auch noch Musikerin werden wollte, stieß bei der Mutter auf Unverständnis, auf Ablehnung, auf Widerstand. »Ich habe viel Party gemacht damals, und trotzdem viel Musik gespielt«, sagt Michaela.

Mit Anfang 20 kehrt sie ihrer Geburtsstadt Prag den Rücken und geht nach Berlin, mit ihrem Freund. Kaum sind sie dort, gehen sie schon auseinander. Michaela Špačková bleibt allein in der Stadt, beginnt an der Musikhochschule Hanns Eisler bei Volker Tessmann Fagott zu studieren und nimmt dafür ziemlich prekäre Lebensverhältnisse inkauf. Ein eigenes Instrument hat sie nicht, die Miet-Fagotte, auf denen sie spielt, sind von allenfalls mittelmäßiger Qualität. Selbstzweifel kommen auf, Krisen, Unsicherheit im Hinblick auf ihren Lebensweg. »Aber gespielt habe ich trotzdem immer.«

Dank eines Erasmus-Stipendiums gönnt sie sich 2018/19 ein finanziell halbwegs auskömmliches Halbjahr in Paris, wo sie wie eine Gestörte von früh bis spät übt, übt, übt. Sie hat nahezu keine Kontakte, aber sie genießt den lyrischeren Zugang der französischen Fagott-Schule, das Leichte, Luftige. Ihr Spiel wird dabei zwangsläufig besser, persönlicher.

Alles läuft auf eine Orchesterstelle zu, aber wenn es ans Probespielen geht, werden die Nerven dünn, und auch die Mietinstrumente stoßen im Hinblick auf Volumen und Ton regelmäßig an Grenzen, die sich mit noch so viel Technik und spielerischer Präzision nicht überspielen lassen. Wäre das Fagott nicht genau ihr Instrument und die klassische Musik ihr Refugium: Mehr als einmal würde Michaela Špačková das Bündel Holz mit dem etwas näselnden Klang, das in zahllosen Orchesterstellen zum ratternden Dauer-Staccato verdonnert ist und doch in vielen Stücken zum Lead-Instrument aufläuft – man denke nur an den »Zauberlehrling« von Paul Dukas oder das »Frühlingsopfer« von Igor Strawinsky –, aufgeben und vergessen.

Sieht man Michaela Špačková heute in einem ihrer feinen, fließenden Konzertgewänder vor einem Orchester oder mit einem Ensemble musizieren, bilden sie und ihr Instrument eine geradezu symbiotische Einheit. Zwei hoch aufgeschossene, schmale Gestalten, aus Holz die eine, aus Fleisch und Blut die andere. Gibt es so etwas: Eine geborene Fagottistin?

Die Coronazeit übersteht Michaela Špačková mit musikfernen Jobs – und muss sich parallel dazu doch fit halten, spieltechnisch und körperlich. Mehr und mehr bildet sich eine Vision in ihr, wie sie auf dem Fagott das ausdrücken kann, was in ihr ist und was noch kommen wird mit der Zeit. »Ich höre einen Klang, den es noch nicht gibt«, sagt Michaela Špačková. Das ist ein ziemlich großer Satz. Aber er passt zu ihrem Bestreben, als Solistin auf der Bühne zu stehen und für sich, die Musik und ihr Publikum Leidenschaft und Klangvielfalt aus dem sperrigen Instrument herauszuholen, dem sie ihr Leben verschrieben hat.

Sie kann auch improvisieren und spielt in der Band der angesagten Pop-Sängerin Alli Neumann. Doch die Klassik liebt sie mehr als alles andere.

Im März 2025 will Michaela Špačková ihr Konzertexamen ablegen, begleitet vom Konzerthausorchester Berlin. Eines der Stücke soll »The Five Sacred Trees« von John Williams sein, eine Originalkomposition für Fagott und Orchester. Williams, weltberühmt für seine Filmmusik, hat zuletzt ein Violinkonzert für Anne-Sophie Mutter geschrieben. Fragt man Michaela Špačková nach anderen zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten, die sie bewundert und deren Musik sie gern spielen würde, dann sprudelt es aus dieser zumindest vordergründig so sanguinisch anmutenden Person nur so heraus: Jörg Widmann, Lera Auerbach, Andrej Adamek, Gabriela Smith, Anders Hillborg, Caroline Shaw.

Das Stück des jungen südfranzösischen Komponisten Matthieu Stefanelli »Gaïa ou le Cri de la Terre« für Fagott, Streichsextett und Klavier hat sie vor zwei Jahren beim Festival Nouveaux Horizons in Aix-en-Provence uraufgeführt. Die Aufnahme des ARTE-Mitschnitts davon ist auf YouTube zu sehen. Das Stück fordert die Virtuosin, es feiert die Expressivität, durchmisst den ganzen Tonumfang des Instruments und ist eine hingebungsvolle Mahnung daran, den für uns lebensgefährlich lautlosen Schrei von Gaia, der Erdmutter, angesichts all des Unheils, das wir über sie bringen, nicht länger zu überhören. Das Werk passt Michaela Špačková auch von der Message her wie angegossen.

»Das Fagott ist meine Stimme, mein Körper.« Noch so ein Satz von ihr, der nachhallt. Michaela Špačková ist Berlin eigentlich zu groß, zu laut, zu voll. Sie ist tief mit der Natur verbunden und braucht den Geruch des Waldes, das Holz, Bäume, Stille. Wenn sie spielt, dann gebietet sie über das Fagott, dieses glänzende, störrische Stück Holz, wie ein energisch zupackender Waldgeist, der es sich mit seinem Atemstrom gefügig macht, es zum Klingen bringt und mit größter Intensität zu blühendem Leben erweckt. Und mit ihm all die anderen Wälder und alle fühlenden Wesen der Erde.